Fenster sind die sensibelsten Bauteile der Gebäudehülle. Sie lassen Licht und Wärme herein, sind aber gleichzeitig die Stellen mit den höchsten Wärmeverlusten. Ein altes Einscheibenfenster verliert etwa zehnmal so viel Wärme wie eine gut gedämmte Wand. Moderne energieeffiziente Fenster mit Dreifachverglasung reduzieren diese Verluste dramatisch und verbessern gleichzeitig den Schallschutz und den Wohnkomfort erheblich.
In diesem Ratgeber erklären wir die verschiedenen U-Werte, vergleichen Verglasungsarten und Rahmenmaterialien und zeigen Ihnen, wann ein Fensterersatz wirtschaftlich sinnvoll ist und welche Förderungen Sie in der Schweiz erwarten können.
U-Werte verstehen: Uw, Ug und Uf
Der Uw-Wert – Das Gesamtfenster
Der Uw-Wert (w für window) beschreibt den Wärmedurchgangskoeffizienten des gesamten Fensters inklusive Glas und Rahmen. Er wird in W/(m²·K) angegeben und ist der entscheidende Wert für die Beurteilung der Energieeffizienz. Je niedriger der Uw-Wert, desto besser die Dämmwirkung. Die Schweizer Norm SIA 380/1 fordert für Neubauten einen maximalen Uw-Wert von 1,0 W/(m²·K), für Minergie-Gebäude gelten noch strengere Anforderungen.
Der Ug-Wert – Die Verglasung
Der Ug-Wert (g für glazing) bezieht sich ausschliesslich auf die Verglasung. Moderne Dreifachverglasungen erreichen Ug-Werte von 0,5 bis 0,7 W/(m²·K), während ältere Doppelverglasungen Werte von 1,1 bis 1,6 aufweisen. Einscheibenglas hat einen Ug-Wert von etwa 5,8 – ein enormer Unterschied. Die Verbesserung wird durch Edelgasfüllung (Argon oder Krypton) zwischen den Scheiben und Wärmeschutzbeschichtungen (Low-E-Beschichtung) erreicht.
Der Uf-Wert – Der Rahmen
Der Uf-Wert (f für frame) beschreibt die Wärmedämmung des Rahmens. Je nach Material variiert er erheblich: Holzrahmen erreichen Uf-Werte von 1,0 bis 1,4, Kunststoffrahmen mit Mehrkammerprofielen 1,0 bis 1,3, und Holz-Aluminium-Rahmen 1,1 bis 1,5. Da der Rahmen 20 bis 35 Prozent der Fensterfläche ausmacht, hat der Uf-Wert einen erheblichen Einfluss auf den Gesamtwert Uw.
Verglasungsarten im Vergleich
Doppelverglasung
Moderne Doppelverglasungen mit Low-E-Beschichtung und Argonfüllung erreichen Ug-Werte von 1,0 bis 1,1 W/(m²·K). Sie sind etwa 15 bis 20 Prozent günstiger als Dreifachverglasungen und bieten einen guten g-Wert (Gesamtenergiedurchlassgrad) von 0,60 bis 0,65, was bedeutet, dass viel Sonnenwärme ins Gebäude gelangt. Für Sanierungen mit begrenztem Budget und in milden Klimaregionen sind sie eine vertretbare Lösung.
Dreifachverglasung
Dreifachverglasungen mit zwei Low-E-Beschichtungen und Argon- oder Kryptonfüllung erreichen Ug-Werte von 0,5 bis 0,7 W/(m²·K) – eine Verbesserung von 40 bis 55 Prozent gegenüber moderner Doppelverglasung. Der g-Wert liegt bei 0,50 bis 0,55, etwas niedriger als bei Doppelverglasung, was aber durch die deutlich bessere Dämmung mehr als kompensiert wird. Dreifachverglasung ist heute der Standard für Neubauten und ambitionierte Sanierungen.
Die Gewichtszunahme von Dreifach- gegenüber Doppelverglasung beträgt etwa 30 bis 40 Prozent. Dies erfordert stabilere Beschläge und kann bei alten Fensterrahmen, die nur für leichtere Verglasungen ausgelegt sind, ein Thema sein. In solchen Fällen müssen die Rahmen ebenfalls ersetzt werden.
Rahmenmaterialien: PVC, Holz oder Holz-Alu?
PVC-Rahmen (Kunststoff)
Kunststoffrahmen sind die kostengünstigste Option mit Preisen ab CHF 500 pro Fenster (Standardgrösse 100 x 120 cm, Dreifachverglasung). Moderne Mehrkammerprofile bieten gute Dämmwerte und sind wartungsfrei. Die Lebensdauer beträgt 30 bis 40 Jahre. Nachteile sind die geringere Stabilität bei grossen Fensterflächen, die begrenzte Farbauswahl und die Ökobilanz (erdölbasiert, Recycling möglich aber aufwändig).
Holzrahmen
Holzfenster bieten eine hervorragende Ökobilanz, natürliche Optik und sehr gute Dämmwerte. Preise beginnen bei CHF 700 pro Fenster. Die Lebensdauer beträgt 40 bis 60 Jahre bei regelmässiger Pflege (alle 5 bis 8 Jahre lasieren oder streichen). Holzrahmen sind statisch belastbarer als Kunststoff und eignen sich auch für grosse Fensterformate. Schweizer Holzfenster aus einheimischer Fichte oder Lärche sind besonders nachhaltig.
Holz-Aluminium-Rahmen
Die Kombination aus Holz innen und Aluminium aussen vereint die Vorteile beider Materialien: warme, natürliche Optik im Innenraum, witterungsbeständige und wartungsfreie Aussenseite. Preise liegen bei CHF 900 bis 1'200 pro Fenster. Die Lebensdauer beträgt 50 bis 70 Jahre. Holz-Alu ist die Premium-Option und besonders bei anspruchsvollen Bauvorhaben beliebt.
Der g-Wert: Solare Gewinne nutzen
Der g-Wert (Gesamtenergiedurchlassgrad) gibt an, wie viel Sonnenenergie durch das Fenster ins Gebäude gelangt. Ein g-Wert von 0,55 bedeutet, dass 55 Prozent der auftreffenden Sonnenenergie den Raum erwärmen. Dieser solare Gewinn ist besonders in der Heizperiode wertvoll und reduziert den Heizenergiebedarf. Grosse Südfenster mit hohem g-Wert können an sonnigen Wintertagen die Raumheizung teilweise ersetzen.
Im Sommer kann der solare Gewinn allerdings zur Überhitzung führen. Deshalb ist ein wirksamer aussenliegender Sonnenschutz (Storen, Rollläden oder Markisen) unverzichtbar. Innenliegende Vorhänge oder Jalousien sind deutlich weniger wirksam, da die Sonnenenergie bereits im Raum ist. Automatisierte Beschattungssysteme optimieren den Kompromiss zwischen solarem Gewinn im Winter und Sonnenschutz im Sommer.
Kosten und Förderung in der Schweiz
| Fenstertyp | Preis pro Stück | Uw-Wert | Lebensdauer |
|---|---|---|---|
| PVC, 3-fach | CHF 500–750 | 0,9–1,0 | 30–40 Jahre |
| Holz, 3-fach | CHF 700–1'000 | 0,8–1,0 | 40–60 Jahre |
| Holz-Alu, 3-fach | CHF 900–1'200 | 0,8–0,9 | 50–70 Jahre |
Das Gebäudeprogramm und die kantonalen Förderprogramme unterstützen den Fensterersatz mit Beiträgen von CHF 50 bis 120 pro Quadratmeter Fensterfläche, wenn die neuen Fenster einen Uw-Wert von maximal 1,0 W/(m²·K) erreichen. Bei einem Einfamilienhaus mit 30 m² Fensterfläche ergibt das eine Förderung von CHF 1'500 bis 3'600. Zusätzlich sind die Kosten steuerlich als Liegenschaftsunterhalt absetzbar.
Wann lohnt sich der Fensterersatz?
Ein Fensterersatz ist wirtschaftlich sinnvoll, wenn die bestehenden Fenster einen Uw-Wert von über 1,6 W/(m²·K) aufweisen, was bei allen Fenstern vor 2000 und vielen bis 2010 der Fall ist. Auch bei Kondensatbildung auf der Innenseite, deutlich spürbarer Kaltluft in Fensternähe, mangelndem Schallschutz oder mechanischen Defekten an Rahmen und Beschlägen ist ein Ersatz ratsam.
Bei einer umfassenden energetischen Sanierung sollte der Fensterersatz immer mit der Fassadendämmung koordiniert werden. Der Fensteranschluss an die Dämmebene muss sorgfältig geplant werden, um Wärmebrücken und Undichtigkeiten zu vermeiden. Ein auf Energieberatung spezialisierter Fachmann kann die optimale Lösung für Ihre Situation ermitteln.
Kondensation vermeiden
Ein häufiges Problem nach dem Fensterersatz ist Kondensation an den neuen Fenstern oder – schlimmer – an den angrenzenden Wänden. Die neuen Fenster sind so gut gedämmt, dass die kälteste Oberfläche im Raum nicht mehr das Glas ist, sondern die ungedämmte Wand neben dem Fenster. Feuchtigkeit aus der Raumluft kondensiert dann dort und kann zu Schimmelbildung führen.
Deshalb ist der alleinige Fensterersatz ohne begleitende Massnahmen an der Gebäudehülle problematisch. Mindestens die Fensterlaibungen (die Wandflächen rund um das Fenster) sollten mit einer Innendämmung von 3 bis 5 cm versehen werden. Idealerweise wird der Fensterersatz mit einer Fassadendämmung kombiniert, die alle Wärmebrücken beseitigt und das Risiko der Kondensation eliminiert.
Tipp: Noise Reduction
Dreifachverglasungsfenster bieten einen deutlich besseren Schallschutz als Doppelverglasung. An stark befahrenen Strassen sind sie praktisch ein Muss. Spezielle Schallschutzverglasungen mit asymmetrischem Aufbau (unterschiedliche Scheibendicken) erreichen Schalldämmwerte von 40 bis 45 dB und reduzieren den Strassenlärm auf ein angenehmes Niveau.
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